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Herzloser Kopfschmerz

Kopfschmerzen

Migräne-Patienten sind infarktgefährdet.

Nicht genug damit, dass Menschen mit Migräne akut von pulsierenden Kopfschmerzen gequält werden: US-Forscher haben nachgewiesen, dass sie auch mit einem hohen Risiko leben, einen Herzinfarkt zu erleiden. Besonders gefährlich ist die Migräne, die von einer Aura begleitet wird: Bei dem Krankheitsbild mit visuellen Störungen erhöht sich die Gefahr eines Herzanfalls um das Dreifache. In die Untersuchung waren 11.345 Menschen einbezogen, davon 6.102 mit Migräne. Bei der Hälfte der Patienten wurden zusätzlich die typischen Risikofaktoren für Herz- und Gefäßerkrankungen festgestellt wie Diabetes, hohe Blutdruck- und Cholesterinwerte.

Rund zehn Prozent der Weltbevölkerung sind von Migräne-Attacken geplagt, allein in Deutschland sind es acht Millionen Menschen. Die Studie belegt, dass bei ihnen im Vergleich zu gesunden Menschen die Wahrscheinlichkeit mehr als doppelt so hoch ist, einen Herzinfarkt bekommen. "Migräne wurde bisher als schmerzvoller Zustand angesehen, der die Lebensqualität einschränkt, aber nicht als generelle Bedrohung für die Gesundheit", erklärt Richard Lipton vom University Hospital and Academic Medical Center for Einstein in New York. "Jetzt steht fest, dass Migräne keine isolierte Störung ist und dass die Mediziner verstärktes Augenmerk auf die Risikofaktoren für Herzerkrankungen legen müssen."

Für die Studie wurden 6.102 Menschen mit Migräne und 5.243 ohne diese neurologische Erkrankung befragt über Kopfschmerzen, deren Häufigkeit und Schweregrad. Zusätzlich wurde der allgemeine Gesundheitszustand festgestellt. Danach droht 4,1 Prozent der Migräne-Patienten ein Herzanfall. "Patienten sollten von diesem Ergebnis nicht zu sehr alarmiert sein, denn tatsächlich erlitten haben einen Herzinfarkt nur zwei Prozent", relativiert Lipton die Zahlen.

Gegenüber der gesunden Kontrollgruppe sind die Kopfschmerzpatienten um über 50 Prozent öfter von Krankheiten geplagt, die mit Herz-Kreislauferkrankungen in Zusammenhang stehen. Als mögliche Verbindung verdächtigen die Wissenschaftler einen wichtigen Bestandteil der Blutbahnen: Sie gehen davon aus, dass die Funktionsfähigkeit der inneren Wandschicht von Blutgefäßen im Herz-Kreislauf-System und damit natürlich auch im Gehirn beeinträchtigt ist. Eine effektivere Migräne-Behandlung dürfte hier Abhilfe schaffen.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Migräne eine chronische Krankheit ist mit episodischen Ausbrüchen, zwischen denen die Patienten eine hohe Veranlagung für Herz- und Gefäßleiden besitzen. "Damit hat Migräne sehr viel gemeinsam mit Asthma", erklärt Studien-Co-Autor Dawn Buse vom The Saul R. Korey Department of Neurology. "Auch bei der Atemwegerkrankung scheint es den Patienten zwischen den Anfällen gut zu gehen, was aber nur ein oberflächlicher Eindruck ist."

Richard Lipton (University Hospital and Academic Medical Center for Einstein, New York) et al.: Online-Veröffentlichung in Neurology

Text: wissenschaft.de / Bild: bilderbox.com






17.03.2010

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